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intimitaet · 16. Juli 2026 · 4 Min Lesezeit

Cremes, Sprays, Beckenboden: Warum die üblichen Lösungen nicht halten

Cremes, Sprays, Beckenboden-Apps, Start-Stopp – warum die üblichen Mittel gegen zu früh kommen kurzfristig wirken und langfristig nichts ändern.

Sonja Ruess

Sonja Ruess

Sexologin · Mentorin

Es gibt einen ganzen Markt für dein Problem.

Cremes. Sprays. Ringe. Apps. Kapseln mit Namen, die nach Rakete klingen.

Und alle versprechen dasselbe:

Länger. Ab heute. Ohne Aufwand.

Ich will dir nicht die Laune verderben.

Aber ich will dir erklären, warum du diese Sachen kaufst und trotzdem wieder hier bist.

Erst mal: warum es diesen Markt gibt

⚡ Jeder vierte Mann erlebt das.

Nicht jeder zehnte. Jeder vierte.

Und die meisten reden mit niemandem darüber.

Nicht mit der Frau. Nicht mit dem Arzt. Nicht mit dem besten Freund.

👉 Ein riesiges Problem, über das niemand spricht, ist das perfekte Geschäftsmodell.

Weil du nicht vergleichst.

Weil du niemanden fragst.

Weil du im Zweifel einfach das nächste Produkt bestellst – nachts, anonym, mit unauffälliger Verpackung.

Cremes: du spürst weniger

Das Prinzip ist simpel.

Cremes machen dein bestes Stück taub.

Du spürst weniger, also kommst du langsamer.

Klingt nach Lösung.

Ist aber keine.

Denn du hast dann keinen Sex mehr – du hast eine Pflichtveranstaltung.

Du liegst da, funktionierst, wartest auf das Ende.

Genuss? Weg.

Verbindung? Weg.

Und dein eigentliches Muster? Unverändert.

Du hast nur die Lautstärke runtergedreht, nicht den Sender gewechselt.

Sprays: erklär das mal beim Date

Gleiche Familie, andere Verpackung.

💣 Wirkstoff: Lidocain. Ein lokales Betäubungsmittel.

Dasselbe Zeug, das dir beim Zahnarzt die Wange abschaltet.

Zwei kleine Probleme:

Erstens überträgt es sich. Deine Partnerin wird oft mit betäubt – und die hat ganz sicher nicht darum gebeten.

Zweitens: Lass das mal beim nächsten Date erklären müssen.

„Moment, ich muss kurz ins Bad.”

Kein guter Anfang für einen Abend, bei dem es eigentlich um Nähe gehen soll.

Beckenboden-Apps: der falsche Muskel

Das ist der Tipp, den heute jeder gibt.

Trainier deinen Beckenboden. Drei Sätze täglich. Es gibt eine App dafür.

Hier ist der Haken:

👉 Beckenboden-Apps trainieren einen Muskel, der gar nicht dein Problem ist.

Und du kannst das in zehn Sekunden selbst testen.

💡 Der Urinstrahl-Test: Wenn du deinen Urinstrahl von alleine anhalten kannst, ist mit deinem Beckenboden alles in Ordnung.

Punkt.

Dann trainierst du monatelang einen Muskel, der längst funktioniert – und wunderst dich, dass sich nichts ändert.

Schlimmer noch: Bei vielen Männern ist der Beckenboden nicht zu schwach, sondern zu fest.

Dauerhaft angespannt. Im Halte-Modus.

Und was macht dann noch mehr Anspannungstraining?

Genau.

Start-Stopp: die Notbremse als Dauerlösung

Kurz vorm Punkt anhalten. Warten. Weitermachen.

Funktioniert manchmal. Für einen Abend.

Aber schau dir an, was du dabei tust:

Du beobachtest dich permanent.

Du bist mit einem halben Kopf außerhalb der Situation.

Du wartest auf den Moment, an dem du eingreifen musst.

Das ist kein Sex. Das ist Überwachung.

Und Überwachung ist Anspannung.

Anspannung ist Alarm.

Alarm heißt: dein Körper macht schnell.

„Denk an die Oma”

Der Klassiker unter den Ratschlägen.

Ablenken. An was Unerotisches denken. Rückwärts zählen. Fußballergebnisse.

Merkst du, was du da machst?

Du versuchst, deine Erregung loszuwerden – mitten in dem Moment, in dem du sie eigentlich willst.

Du kämpfst gegen dich selbst.

Und du bist mental gar nicht mehr im Bett, sondern irgendwo bei der Bundesliga.

Deine Partnerin merkt das übrigens.

Immer.

Was alle diese Mittel gemeinsam haben

Sie unterscheiden sich in Preis und Peinlichkeit.

Aber im Kern machen sie alle dasselbe:

🧠 Diese Tricks drücken die Welle weg, statt dir zu zeigen, wie du sie steuerst.

Sie gehen ans Symptom.

Nicht an die Ursache.

Und die Ursache sitzt nicht in deinem besten Stück.

Sie sitzt in deinem Nervensystem.

👉 Du kommst nicht zu früh, weil mit deinem Körper was falsch ist. Du kommst zu früh, weil dein autonomes Nervensystem falsche Muster abgespeichert hat.

Das habe ich hier ausführlich erklärt: Warum du zu früh kommst – es ist nicht dein Penis, sondern dein Nervensystem

Warum das eigentlich eine Erleichterung ist

Wenn du bisher alles probiert hast und nichts gehalten hat, dann hast du wahrscheinlich einen Schluss gezogen:

Bei mir ist es besonders schlimm.

Ist es nicht.

Du hast nur an der falschen Stelle gedrückt.

Ein Mittel, das Taubheit erzeugt, kann kein Muster verändern.

Ein Muskeltraining für einen gesunden Muskel kann kein Muster verändern.

Ein Ablenkungstrick kann kein Muster verändern.

Muster ändert man da, wo sie entstehen: im Nervensystem.

Und ja – das ist unspektakulärer als ein Spray.

Aber es hält.

Der Unterschied in einem Satz

Symptom-Mittel fragen: Wie spüre ich weniger?

Der andere Weg fragt: Wie spüre ich mehr – ohne dass mein System in Alarm geht?

Das ist nicht dieselbe Frage.

Und nur eine davon führt zu Sex, den du auch wirklich haben willst.

❤️ Es ist nichts, wofür du dich schämen müsstest.

Im Gegenteil: dass du es angehst, ist der Schritt, den die meisten Männer nicht machen.


Bevor du das nächste Produkt bestellst:

Mach den kostenlosen Selbstcheck – 2 Minuten, anonym. Danach weißt du, woran es bei dir wirklich liegt:

👉 Zum Selbstcheck

Und in meinem kostenlosen Live-Webinar zeige ich dir die 3 Hebel, die an der Ursache ansetzen statt am Symptom.

Deine Sonja

Sonja Ruess

Über die Autorin

Sonja Ruess

Sexologin (ABS), Beziehungs-Mentorin, SPIEGEL-Bestseller-Autorin. Sonja schreibt über Beziehung, Sexualität und Selbstwahrnehmung — Klartext aus ihrer Praxis in Ravensburg.

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